Dienstag, 28. Februar 2012

Computerspiel pädagogisch.

Pressemitteilung

 

ExpertInnen-Treffen an der FH JOANNEUM


Cornelia Schuss
PR & Marketing (Graz)
Fachhochschule Joanneum


28.02.2012 08:57

Am 26. und 27. Februar kamen im Rahmen des EU-Projekts „GREAT“ an der FH JOANNEUM in Graz europäische Expertinnen und Experten im Bereich spielebasiertes Lernen zusammen. Im Mittelpunkt stand dabei die Diskussion über zukünftige Chancen und Herausforderungen, die mit dem Einsatz von Computerspielen zur Lernunterstützung in Bildung und Training verbunden sind.

Das Projekt „GREAT“ wird im Rahmen des EU-Programms LLP – Programm für Lebenslanges Lernen, Leonardo da Vinci, unterstützt und soll die Arbeitsleistung von Lehrerinnen und Lehrern, Trainerinnen und Trainern sowie Lernenden durch den Einsatz von spielebasiertem Lernen (Game Based Learning, GBL) fördern. Das Projekt läuft seit Oktober 2011 und wird von verschiedenen europäischen Bildungseinrichtungen, darunter die FH JOANNEUM mit dem Studiengang „Informationsdesign“, getragen.

„Erfolgreiche Game Based Learning-Strategien stellen aktive Partizipation und Interaktion in das Zentrum des Lernprozesses und regen die Kreativität und Innovationsfähigkeit an“, sagt Maja Pivec, Lehrende am Studiengang „Informationsdesign“ und Koordinatorin von „GREAT“ an der FH JOANNEUM. Computerspiele können einen wichtigen Beitrag im Rahmen des informellen und nicht-formellen Lernens liefern, da sie den Lernenden selbst in den Mittelpunkt stellen und dynamische Prozesse anstoßen.

Bei der Tagung wurde insbesondere die Frage diskutiert, welchen Anspruch und welche Bedeutung GBL in sich verändernden Lernkontexten hat, vor allem in Hinblick auf lebenslanges Lernen. „Die Einsatzgebiete von GBL können hier sehr vielfältig sein – etwa, wenn es um die Reintegration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt geht oder darum, wie Menschen mit unterschiedlicher Ausbildung ihre beruflichen Fähigkeiten und Kompetenzen mit Hilfe von GBL weiterentwickeln können“, erklärt Pivec.

Europaweiter Austausch zum lernunterstützenden Einsatz von Computerspielen

Diese Fragen wurden vom Projektteam und den eingeladenen Expertinnen und Experten diskutiert, darunter etwa Herbert Rosenstingl (Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von Computer- und Konsolenspielen, Wien), Gulcin Sagdicoglu Celep (Gazi Universität, Ankara), Sonia Hetzner (Institut für Lern-Innovationen, Erlangen) oder Jutta Pauschenwein (ZML – Innovative Lernszenarien, FH JOANNEUM). Herbert Rosenstingl hob hervor: „Wer selber gerne spielt, weiß es ganz konkret: Computer- und Konsolenspiele fordern und fördern vielfältige Fähigkeiten! Kognitive, motorische und soziale Kompetenzen werden je nach Spiel verlangt und dabei trainiert. Wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, können diese Potentiale auch genutzt werden, dann sind Computerspiele tatsächlich eine Chance."

Karl Peter Pfeiffer, Rektor der FH JOANNEUM, begrüßte die TeilnehmerInnen der Tagung und betonte: „Ich freue mich, dass die FH JOANNEUM Teil dieses ambitionierten Forschungsprojekts ist. In unserer von Informationstechnologie geprägten Gesellschaft verändern sich Lehr- und Lernprozesse bereits jetzt sehr stark – um die damit verbundenen Möglichkeiten aber auch für die Zukunft nutzen zu können, bedarf es einer systematischen und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit spielebasiertem Lernen.“

„GREAT“ baut auf dem bereits abgeschlossenen EU-Projekt „ENGAGE“ auf, aus dem unter anderem das europäische Web-Portal www.engagelearning.eu für spielbasiertes Lernen hervorgegangen ist. „GREAT“ möchte sich nun auf die Konstruktion von Lerninhalten und -materialien konzentrieren und auf bereits bestehende Computerspiele konzentrieren. Ein Ergebnis des 20-monatigen Projekts soll zum Beispiel ein Trainingspaket mit einem Handbuch für Lehrende und TrainerInnen sein, das die Integration von GBL in Lern- und Unterrichtsprozesse erleichtert.

Das Treffen wurde mit einer Klausur des Projektteams abgeschlossen, bei der die Resultate aus den Gesprächen mit den Expertinnen und Experten diskutiert wurden. „Daraus werden wir Akzente und Schwerpunkte für die weitere Projekttätigkeit und das Trainingspaket ableiten“, so Maja Pivec.

Folgende Institutionen sind am Projekt „GREAT“ beteiligt:
APG Portuguese Association for Human Resources Technicians and Managers (Lisboa, Portugal; Projektkoordination)
FH JOANNEUM (Graz, Austria)
MERIG Multidisciplinary European Research Inst. (Graz, Austria)
AIF Italian Association of Trainers (Milan, Italy)
I.ZONE Knowledge Systems (Bucharest, Romania)
GAZI UNIVERSITY (Ankara,Turkey)

Montag, 27. Februar 2012

Computerspiele.

aus NZZ, 27. 2. 20


«Universitäten sollten sich mehr mit Computerspielen befassen»
 
Die Game-Forscherin Mela Kocher über die Relevanz von Computerspielen in der Gesellschaft und die fehlende Anerkennung im akademischen Umfeld 
 

Frau Kocher, Sie sind Computerspiel-Forscherin, was für Gedanken gehen Ihnen beim Spielen durch den Kopf? 

Grundsätzlich kann ich zwischen Spielen zum Vergnügen und analytischem Spielen gut trennen. Dennoch vermischt sich das manchmal, wenn ich etwa meinem Sohn zuschaue und erkenne, dass er viel intuitiver vorgeht, während ich strategischer nach einer Lösung suche. Ich achte aber auch auf interkulturelle Referenzen im Spiel oder auf die angewendeten Erzählverfahren. Natürlich interessiert mich ebenso der Aufbau des Interface, also der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, und die Umsetzung der Navigationsmöglichkeiten.


zum Thema

Warum soll sich die Wissenschaft mit Computerspielen abgeben?

Die Bedeutung von Computerspielen hat in den letzten Jahren signifikant zugenommen, in der Kunst, der Gesellschaft und der Wirtschaft. Computerspiele können als multimediale Texte verstanden werden, die Werte transportieren. Ein Spiel aus Japan ist ganz anders als eines, das in der Schweiz entwickelt worden ist. Computerspiele sagen viel über unsere Kultur und Gesellschaft aus, womit sie auch für die Wissenschaft relevant sind. Im Gegenzug würde auch die wachsende Game-Industrie in der Schweiz von einer intensiveren wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Medium profitieren.

Welche wissenschaftlichen Disziplinen interessieren sich für das Computerspiel?

Computerspiele sind ein vielseitiges Medium, das sich in den letzten Jahren in noch mehr Genres und Formen ausdifferenziert hat. Das macht sie für fast alle Disziplinen zu einem spannenden Forschungsgegenstand. Die Literaturwissenschaft interessiert sich zum Beispiel für die Vermischung von Autor und Rezipient, kann doch der Spieler bei Games selber Einfluss auf die Handlung nehmen. Die Kultur- und Medienwissenschaften wiederum untersuchen kulturelle und intermediale Ausprägungen des Medienwandels. Und die Kunstwissenschaft interessiert sich zum Beispiel für die Bildästhetik, die sich in den letzten Jahren stark ausdifferenziert hat und nebst der marktüblichen Fotorealistik auch abstrakte Visualisierungen oder Aquarelltechniken umfasst.

Wie beurteilen Sie das Studienangebot in der Schweiz?

An den Fachhochschulen ist das Angebot relativ breit. Zu nennen ist hier vor allem der Studiengang Game-Design an der Zürcher Kunsthochschule. In der Westschweiz gibt es an der Ecole Professionnelle des Arts Contemporains seit kurzem einen Master-Studiengang in Game-Art. An der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften und der Fachhochschule Nordwestschweiz sind Computerspiele ebenfalls ein relevantes Thema.

Und an den technischen Hochschulen und den Universitäten?

Mit dem Disney Research Lab hat die ETH Zürich seit 2010 ein erstklassiges Forschungszentrum für Computergrafik. Hier werden neue Technologien entwickelt, die in Animationsfilmen und Computerspielen zur Anwendung kommen. Das mit der Universität Zürich assoziierte Schweizerische Institut für Kinder- und Jugendmedien betreibt seit 2001 Grundlagenforschung zu digitalen Spielen. Sonst wird aber das Computerspiel an den Universitäten stiefmütterlich behandelt. Es gibt nur wenige Institute - vorwiegend die medienwissenschaftlichen -, die mehr Akzeptanz zeigen und Computerspiele vereinzelt in ihr Studienangebot einbeziehen. Seminare oder Vorlesungen, die sich ausschliesslich mit dem Computerspiel beschäftigen, sind jedoch höchst selten.

Besteht hier Handlungsbedarf?

Ja, unbedingt! Universitäten sollten sich in Forschung und Lehre definitiv mehr mit digitalen Spielen befassen. Ähnlich wie Literatur und Film als Medien intensiv untersucht werden, sollte das auch mit Computerspielen geschehen, sind sie in unserer Medienkultur doch mittlerweile ebenso etabliert. Die Game-Studies sollten einen festen Platz an Universitäten bekommen.

Was versteht man unter Game-Studies?

Game-Studies meint die akademische Beschäftigung mit Spielen im Allgemeinen und mit Computerspielen im Speziellen. Dies kann ein multidisziplinäres Forschungsfeld sein oder ein spezifischer Studiengang, wie es ihn an einigen Universitäten in Skandinavien und in den USA gibt.

Mit welchen Fragen beschäftigen sich denn die Game-Studies?

Aktuelle Fragen sind zum Beispiel: Wie gestaltet sich das Spieldesign für ältere Menschen? Was bedeutet es für das Spielerlebnis, wenn sich aufgrund der Verbreitung von Smartphones die Spielszenarien auf den Stadtraum ausdehnen? Inwiefern ist es möglich, mit Computerspielen Lese- und Schreibförderung zu betreiben?

Sollten Schweizer Universitäten Studiengänge für Game-Studies einrichten?

In einem ersten Schritt geht es wohl vor allem darum, das Computerspiel vermehrt ins Angebot der etablierten Disziplinen einzubeziehen. Ich denke dabei vor allem an die Geisteswissenschaften. Langfristig gesehen wäre es aber sinnvoll, eigene Studiengänge einzurichten, so wie das etwa bei der Filmwissenschaft der Fall ist. Das Computerspiel ist ein komplexer Gegenstand, und eine umfassende kritische Auseinandersetzung damit könnte ohne Zweifel einen Studiengang füllen.

Interview: Raffael Schuppisser

Mela Kocher ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der ZHdK und am Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien (SIKJM). Sie arbeitet zurzeit an einer Habilitation zum Thema Alternate-Reality-Games.

Donnerstag, 23. Februar 2012

Genie?

 
aus Die Presse, Wien, 5. 11. 2011

 
Mythos Begabung  

Das wahre „Talent“ der Genies besteht in der Bereitschaft, mit großem Einsatz aktiv zu lernen. Über „göttliche Unzufriedenheit“, „Vertikalspannung“ und was uns sonst noch antreibt, unsere Potenziale zu nützen. Hinweise zur hiesigen Schuldebatte.


Von Eva Novotny

Mit kaum einer Botschaft kann ich Menschen mehr verstören als mit der Eröffnung, dass alle Menschen alles lernen könnten – was aber auch heißt, dass alle Menschen alles lernen müssen. Wie besessen von der Idee angeborener Talente hängen sie an ihren vermeintlich schicksalhaften Vermögen ebenso wie an ihren Unvermögen. Dieser individuelle Hang trifft sich mit der Renaissance einer antiquierten Argumentationsfigur, der Naturalisierung von Differenzen. Biologismus ist wieder gesellschaftsfähig. Einem politisch verhängnisvollen Determinismus stehen allerdings aktuelle Forschungsergebnisse aus der Genetik, vornehmlich der Epigenetik, aus den Neurowissenschaften und aus der Sozialforschung entgegen.

Anders Ericsson machte in einer 30-jährigen Forschungsreise durch die Welt der „Talente“ unerwartete Entdeckungen. Nirgends stieß er auf „Naturtalente“. Ob Komponist, Ballkünstlerin, Romancier, Musikerin, Schachspieler oder Verbrechergenie, 10.000 Stunden aktive Beschäftigung mit dem Gegenstand scheinen erforderlich, um auf Weltklasseniveau zu kommen. So hatte Mozart im Alter von sechs Jahren bereits etwa 3500 Unterrichtsstunden bei seinem Vater absolviert. Zwischen der Gründung der Beatles und ihren bedeutendsten Alben lagen zehn Jahre. Michelangelo lebte vom sechsten bis zum zehnten Lebensjahr bei einem Steinmetz und ging bereits gekonnt mit Hammer und Meißel um, bevor er lesen und schreiben lernte. Als er mit 24 Jahren seine Pietà schuf, galt sie als Geniestreich. Er jedoch meinte: „Wenn die Leute wüssten, wie hart ich gearbeitet habe, um diese Meisterschaft zu erlangen, dann käme es ihnen nicht mehr so wunderbar vor.

 Das wahre „Talent“ der Genies besteht in der Bereitschaft, mit großem Einsatz aktiv zu lernen. Auch wenn es nicht unbedingt so aussieht, als würden sie studieren, oder wenn sie – was Genies gerne tun – leugnen, üben zu müssen. Exzellenz ist das Resultat hochfliegender Ambitionen und frustrationstoleranter Anstrengungsbereitschaft. Selbst die staunenerregendsten geistigen und körperlichen Leistungen kommen durch angestrengtes Training zustande, das sich allerdings Aufgaben an der Grenze zur Überforderung stellen, stets neue, originelle Probleme setzen muss. Das hat einen gewissen Biss zur Voraussetzung. Martha Graham nannte das Grundmotiv „göttliche Unzufriedenheit“, Peter Sloterdijk spricht von „Vertikalspannung“, die uns zur Artistik treibt. Sie meinen die Ambition, sich nach etwas zu recken, es nicht zu erreichen, sich erneut zu recken, um auf höherem Niveau zu scheitern und so fort. Begeisterung spielt dabei eine große Rolle.* Wir brauchen ja gute Gründe, damit wir uns das antun. Mit geeigneten Lebensperspektiven und Lernanlässen ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es auch zu den nötigen Initialzündungen kommt.

1998 gewann die 20-jährige Se Ri Pak die nordamerikanische Ladies-Professional-Golf-Association-Meisterschaft und wurde zur Nationalheldin. Südkoreanerinnen hatten zuvor keinen namhaften Golfbewerb gewonnen. Zehn Jahre später dominierten Südkoreanerinnen die amerikanischen Meisterschaften. Ebenfalls 1998 kam die 17-jährige Anna Kurnikowa in das Halbfinale von Wimbledon und wurde zur beliebtesten Sportlerin im Internet. 2007 fanden sich fünf Russinnen unter den besten zehn Tennisspielerinnen der Welt. Solche „Talent“-Schübe in der Folge eines spektakulären Durchbruchs sind in vielen Domänen immer wieder zu beobachten. Wie sind sie zu erklären? Sicher nicht durch Änderungen im Genpool der betreffenden Gruppe.

In unserer europäischen Kultur spukt nach wie vor die Erzählung von der „natürlichen Begabung“ durch die Gehirne, die Idee vom Genie, das aus dem Nichts auftaucht. Damit verbunden ist auch der Begriff der „Elite“. Wegen seines Geruches nach Chromosomalität und faschistisch-rassistischer Ideologie war der Elitebegriff einige Zeit verpönt. Nun ist er wieder en vogue und fungiert, neben dem der „Begabung“ und dem der „Hochbegabung“, als politischer Kampfbegriff. Solche Phantasmen sollen wachsende soziale Differenzen legitimieren und ebenso die entsprechenden Systeme von Bildungsapartheid: die Zuteilung Zehnjähriger zu verschiedenen Grundschultypen, spezielle Schulen für „Hochbegabte“ und „Elite“-Universitäten. Diese Institutionen stellen Ungleichheit zuverlässig her und reproduzieren diese.

Es gibt keine wissenschaftlich belastbare Theorie, geschweige denn empirische Nachweise einer Koppelung von Genen mit bestimmten höheren menschlichen Fähigkeiten. Ebenso wenig gibt es einen wissenschaftlich definierten Begriff von „Begabung“ oder „Hochbegabung“. Diesen Konzepten hängt etwas Metaphysisches an – oder sie folgen dem platten biologistischen Deutungsmuster: Alles, was wir uns in seinem Zustandekommen gerade nicht erklären können, muss genetisch determiniert sein. Selbst unter Propagandistinnen und Praktikern der sogenannten Hochbegabtenförderung existieren bloß Alltagskonzepte. Es bleibt unklar, welches Phänomen genau mit „Begabung“ beschrieben werden soll, wie es zustande kommt und anhand welcher Kriterien man es erkennen oder vorhersagen könnte.

Die Erzählung, Erfolg und Misserfolg seien in erster Linie oder zumindest auch Ausdruck angeborener Intelligenz oder anderer „Talente“, wirkt vor allem unter gesellschaftlich Benachteiligten als sich selbst erfüllende Prophezeiung. Wo es „Hochbegabte“ gibt, muss es schließlich auch „Niedrigbegabte“ geben. Obgleich im herrschenden Zeitgeist ein „Genfetischismus“ Genen Autonomie und Aktivität zuschreibt, durch die die Prozesse des Bios und auch die des Sozialen gesteuert erscheinen sollen, schreitet die Wissenschaft in Richtung Dekonstruktion der „Macht der Gene“ voran. Schon auf elementaren biologischen Ebenen erweisen sich Gene bloß als Bestandteile eines sehr komplexen biochemischen Netzwerkes. Um ein Gen zur Expression zu bringen, bedarf es vieler Biomoleküle, die ihre Funktion in Abstimmung mit dem Gesamtorganismus erfüllen. Dieser produziert in Korrespondenz mit seiner Umwelt Signalstoffe, die auf Gene und ihre Mitspieler einwirken. Umwelterfahrungen – dazu zählen etwa Ernährung, die ökologische Qualität der Lebenswelt, der Lebensstil und zwischenmenschliche Beziehungen – können nachhaltige Effekte darauf haben, ob und wie stark ein Gen abgelesen wird. Gene speichern Erfahrungen des Organismus als biochemisches Skript. So entstehen „epigenetische Strukturen“, welche die Arbeitsweise der Gene lenken. Gene steuern also nicht einseitig alles Leben, sie werden selbst im Rahmen von Interaktionsprozessen gesteuert.

Für unsere höchsten Funktionen, für komplexes menschliches Fühlen, Denken und Handeln, lassen sich Gene schon gar nicht als determinierend ins Treffen führen. Dafür müsste nämlich der lebenslange Prozess des Aufbaus unserer neuronalen Netze im Gehirn genetisch fixiert sein. Das Erbgut des Menschen reicht aber nicht aus, um mögliche Verbindungen zwischen den Nervenzellen im Gehirn festzulegen. Der Informationsgehalt des menschlichen Genoms beträgt etwa 750 Megabyte. Das ist ungefähr die Menge an Information auf einer CD. Dem stehen mindestens 1,25 Millionen Megabyte gegenüber, die allein vom Gehirn benötigt würden, um nur die einfachsten Verbindungen zwischen seinen Nervenzellen zu kodieren. Das Gehirn des Menschen kann sich also gar nicht genetisch determiniert verdrahten.

Der Mensch vernetzt seine Neuronen anlässlich seiner persönlichen Erfahrungen. Neuronale Strukturen im Gehirn bilden sich durch Tätigkeiten des Individuums (und degenerieren bei Untätigkeit). Sie sind zu keinem Zeitpunkt des Lebens festgelegt und lassen sich auch nicht für die Zukunft hochrechnen. Die Möglichkeiten des menschlichen Gehirns zum lernenden Aufbau neuronaler Netze werden von Individuen nie erschöpft. Kein Mensch mit einem gesunden Gehirn stößt je an einen biologischen Plafond. Nicht nur der Aufbau neuronaler Netze, auch deren aktuelle Funktionstüchtigkeit hängt von Lebensbedingungen ab. So wirken sich etwa unsere Stimmungen auf die Ausschüttung von Botenstoffen im Gehirn aus, die für die Aktivierung und Kommunikation unserer Nervenzellen sorgen. Begeisterung etwa spendet Kraft und Lust, an die eigenen Grenzen zu gehen, und sorgt für optimale Datenverarbeitung. Kaum etwas beschert uns größere Glücksgefühle, als ein Wagnis gut gemeistert zu haben. Wer etwa den Mut aufbringt, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, und es geht ihm schließlich ein Licht auf, der wird von körpereigenen Opioiden durchflutet. Dieser Belohnungsmechanismus schickt ihn in der Folge gleich in die nächste Runde.

Wenn andererseits Erkenntnisse oder Leistungen mit eindeutig negativen Erwartungen verknüpft sind, kann das Lernen massiv behindert werden. Erscheinen mögliche Einsichten bedrohlich, oder widersprechen sie bloß den eigenen Interessen, kann eine „lernnegative Hormonlage“ (Frederic Vester) zu Blockaden der Informationsverarbeitung im Hirn führen. Wiederholte Lernvermeidungsoperationen können sich zu einem Habitus zuverlässiger Begriffsstutzigkeit einschleifen. Auch Dummheit ist lernbar, Intelligenz und Kreativität sind nicht zuletzt eine Frage der Psychodynamik.

1921 machte sich Lewis Terman mit einem Team von Feldforschern auf die Suche nach hochintelligenten Kindern. Aus 250.000 getesteten kalifornischen Grundschülern wählte er 1470 Kinder mit einem Intelligenzquotienten von mehr als 140 aus, nannte sie „Termiten“ und wachte für den Rest seines Lebens über sie. Er war überzeugt, seine „Termiten“ würden schließlich die Elite seines Landes stellen. Er irrte. Die Mehrheit seiner Schützlinge schlug eine durchschnittliche Laufbahn ein. Die Entwicklung eines großen Teils sah er sogar als gescheitert an. Kein einziger Nobelpreisträger rekrutierte sich aus seinen Probanden, zwei spätere Nobelpreisträger waren nicht in die Studie aufgenommen worden – wegen zu geringer Intelligenz.

Karriereverläufe von 6500 Promovierten in Deutschland aus den Jahren 1955 bis 1999 verweisen auf eine ausgesprochen exklusive soziale Rekrutierung der Wirtschaftseliten. Ungefähr jeder zweite Spitzenmanager stammt aus dem Großbürgertum, das bloß fünf Promille der Bevölkerung stellt, ein gutes Drittel rekrutiert sich aus dem übrigen Bürgertum (drei Prozent der Population). Selbst von den Promovierten aus Mittelstand und Arbeiterklasse schaffen es nur ein bis zwei Prozent in Spitzenpositionen. Universitätsabschlüsse, selbst Doktortitel reichen nicht aus für Spitzenkarrieren, auch nicht fachliche Expertise und Leistungen. Ausschlaggebend ist der richtige Habitus: das Beherrschen der in den Chefetagen gültigen Codes für Umgangsformen und äußere Erscheinung, eine breite klassische Bildung, unternehmerisches Denken (Zuversicht, Risikobereitschaft, Entscheidungsfreudigkeit) und die Darstellung persönlicher Souveränität (offener Blick, fester Händedruck, ruhiger, fester Schritt, klare Artikulation und gelassene Aufmerksamkeit).

Pierre Bourdieu hat mit seinem Konzept des „Habitus“ verständlich gemacht, wie sich spezifische Lebensbedingungen in Lebensstile übersetzen. Habitus bedeutet die spezifische, selbstverständliche Art und Weise, in der wir uns selbst und unsere Umwelt wahrnehmen und beurteilen und in der Folge fühlen, denken und handeln.

Die Einverleibung sozialer Ungleichheit erfolgt über viele Kanäle. Der Gebrauch von Gasherden, Büchern, Musikinstrumenten, Computern oder Autos fordert und prägt spezifische Mentalitäten. Es ist ein Unterschied, ob ich von klein auf weite Fußballplätze durchmesse und Kampfsport trainiere oder ob ich in einer Zimmerecke ein Puppenhaus einrichte, lese und mein kompetitivstes Spiel Gummihupfen darstellt. Dazu kommt die Nachahmung vertrauter Menschen. Indem wir unwillkürlich Körperhaltungen und -bewegungen imitieren, übernehmen wir ein bestimmtes Repertoire an Handlungsmustern mitsamt den korrespondierenden Einstellungen.

Grunddispositionen wie Triebaufschub, Anstrengungsbereitschaft und Bildungsbeflissenheit zugunsten späterer Gratifikationen kennzeichnen etwa soziale Aufsteiger. Menschen in prekären Lebenslagen hingegen können keine Gratifikationserwartungen für größere Zeithorizonte aufbauen. Für sie ergeben ganz andere Formeln Sinn, da geht es um Zugreifen, wenn gerade etwas da ist. Wer schließlich im Überfluss lebt, braucht weder Triebaufschub zu lernen, noch impulsives, hastiges Konsumieren an den Tag zu legen. Vermögende können gepflegt genießen und mühelos lernen, gelassen Dominanz auszuüben.

So bilden sich aufgrund materieller Verhältnisse distinkte und zugleich distinktive Lebensstile heraus, die bestehende soziale Differenzen auf Dauer stellen. Alle machen scheinbar das Vernünftige, sie bemühen sich um ein gutes Leben. Ihre Bemühungen hinterlassen allerdings sehr unterschiedliche Spuren. Die einen scheitern, den anderen sieht man die Strapazen des Aufwärtsstrebens an – beide schämen sich. Das zementiert die Dominanz der Dritten. – Alle könnten alles lernen! Das heißt nicht, Lernen und Exzellenz ließe sich einfach vorsätzlich initiieren. Lernen hat wägbare und unwägbare Voraussetzungen – geeignete Lebensperspektiven, Initialzündungen für das persönliche Engagement, schließlich die notwendigen Lernspielräume. Der am wenigsten wägbare Faktor ist wohl der Funke, der eigensinniges Lernen entfacht. In einem Experiment wurden Studenten der Universität Yale mit einer unlösbaren mathematischen Aufgaben befasst. Vorher hatten sie die Biografie eines Professors der Mathematik gelesen. Für die Hälfte der Versuchspersonen war der Geburtstag des Professors so manipuliert worden, dass er mit dem Geburtstag der jeweiligen Testperson übereinstimmte. Diese Gruppe spendete im Schnitt 65 Prozent mehr Zeit für die unlösbare Aufgabe. Identifikation spielt also eine große Rolle. Auch persönliche Unzulänglichkeiten können ungeheure – kompensatorische – Energien entfachen. So waren etwa die schnellsten 100-Meter-Sprinter jüngere Geschwister in einer Reihe von älteren. Um mitzukommen, mussten sie sich stets abmühen. Bereits im frühen 18. Jahrhundert unterrichtete ein blinder Mathematiker, Nicholas Saunderson, an der Universität Cambridge Physik mit Spezialgebiet Optik, und 1925 verfasste Carl Hermann Unthan „Das Pediskript. Aufzeichnungen aus dem Leben eines Armlosen“. Als Bub hatte der armlos geborene Unthan die Möglichkeit entdeckt, auf einer Geige zu spielen, wenn er sie an einem Kasten befestigte. Sein rechter Fuß übernahm die Griffe auf den Saiten, mit dem linken führte er den Bogen. Mit Zähigkeit entwickelte er seine Technik und erreichte unglaubliche Virtuosität. Konzertreisen führten ihn später in die Hauptstädte Europas und nach Übersee. Er entdeckt uns das Geheimnis seines Erfolges: „Wer von Geburt an auf eigene Versuche angewiesen ist und nicht daran gehindert wird, bei dem entwickelt sich ein Wille . . . Der Trieb zur Selbstständigkeit reizt zu fortlaufenden Versuchen an.“

Der Streit um die Bildungsreform in Österreich spiegelt sehr deutlich die unterschiedlichen Positionen zur Frage des sozialen Ausgleichs. Die soziale Selektivität unserer Schulen ist vielfach dokumentiert. Die einen stört daran vornehmlich die Ungerechtigkeit. Andere beklagen mehr die schwache Ausbeute an qualifizierten Schulabgängern für den Arbeitsmarkt. Es gibt auch noch die Dritten. Für sie machen unsere Schulen ohnehin alles ganz richtig – die „Eliten“ bleiben unter sich, und verknappte Qualifikation sichert deren Marktwert.

Die einen sagen: „Jedes Kind hat ein Talent. Das gilt es aufzuspüren und zu fördern.“ Die anderen sagen: „Wir müssen die Stärken der Kinder so früh wie möglich bestimmen, um diese dann gezielt zu trainieren. Lasst uns im Kindergarten beginnen, sonst verlieren wir wertvolle Zeit.“ Beide wünschen sich eine gemeinsame Schule mit individueller Förderung und möglichst wenig Lernbehinderung. Die Dritten sagen: „Jedes Kind ist anders!“ Sie wollen die herrschende Apartheid aufrechterhalten und lassen sich immer neue Bildungsbarrieren einfallen. Alle drei Positionen sind bedenklich.

Kinder aus reiz- und perspektivearmen Milieus haben oft zu Schuleintritt kaum „Talente“ aufgebaut, die entdeckt und gefördert werden könnten. Diesen Schülern müssten erst einmal Probleme ins Blickfeld gerückt werden, die den Aufbau bildungsrelevanter Fertigkeiten lohnen. Die Idee, sogenannte Stärken von Kindern möglichst früh zu bestimmen, um sich danach auf diese zu konzentrieren, nimmt zudem die Einengung von Bildungswegen in Kauf. Und wir wissen nie, welche Interessen im Rahmen entwicklungsoffener Bildungsangebote noch ganz andere Engagements persönlich sinnvoll machen könnten. Schließlich mag es ja zutreffen, dass jedes Kind anders ist. Sollen wir aber deshalb für jedes Kind eine Sonderschule bauen, damit die Schüler ja nicht voneinander lernen können und immer wieder anders werden? 

Die Idee, sich in der Förderung auf bestehende Stärken zu beschränken, ist gänzlich unzeitgemäß. In einer dynamischen Welt, wo Wirtschaft nicht planbar ist, sind es Biografien schon gar nicht. Deshalb kann nur die möglichst vielseitige Entwicklung aller Menschen als Bildungsziel gelten. Die „glücklichen Seitensprünge des Lebens“ (Montaigne) bringen uns auf die Höhe unserer Möglichkeiten und machen uns anschlussfähig an alle Eventualitäten – nicht zuletzt an die Erfordernisse der Demokratie. 

*Nota.  

"Genie ist das Vermögen der Hervorbringung desjenigen,was nicht gelernet werden kann. Eine Produktion ohne Genie ist Arbeit. Genie erfordert Begeisterung, die Arbeit Disposition. 
Immanuel Kant

Frau Novotny scheint Genie und Erfolg bei der Arbeit begrifflich koppeln zu wollen. Wie kommt sie bloß darauf?  

"Genie haben bedeutet noch nicht, dass man auch damit leben kann."  
Bertrand Russell

Freitag, 17. Februar 2012

Auf die Lehrer kommt es an.

aus derStandard.at, 17. 2. 2012
 Qualität der Lehrer ist wichtiger für Leistung der Schüler als kleine Klassen
Wien - Länder, in denen Schulen an alle Kinder und Jugendlichen unabhängig von deren Voraussetzungen hohe Erwartungen stellen, erreichen beim internationalen Bildungsvergleich PISA die besten Ergebnisse. "Sie lassen sie (die Schüler, Anm.) keine Klassen wiederholen, versetzen sie nicht in andere Schulen und unterteilen sie nicht je nach Leistung in verschiedene Klassen", heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Sonderauswertung "PISA in Focus".

Unabhängig vom Wohlstand würden jene Staaten besser abschneiden, die sich politisch wie finanziell zur bestmöglichen Förderung all ihrer Schüler verpflichten, als jene, in denen Schüler mit schwächeren Leistungen, Verhaltensproblemen oder speziellen Bedürfnissen separat unterrichtet werden.

Keine Auswirkung durch Klassenschülerzahlensenkung

Keinen Zusammenhang mit dem Abschneiden bei der Leistungsstudie für 15- und 16-Jährige hat hingegen in den reicheren Staaten die Höhe der Bildungsausgaben. "Größerer Wohlstand oder höhere Ausgaben für Bildung garantieren keine besseren Ergebnisse der Schüler", heißt es in dem Papier über Länder mit einem BIP pro Kopf über 20.000 Euro. Ob ein Land für die Ausbildung eines Schüler zwischen sechs und 15 Jahren mehr als 100.000 Euro ausgibt (USA, Schweiz, Luxemburg) oder aber nur die Hälfte davon (Estland, Polen, Ungarn) habe kaum Auswirkungen.

Entscheidend ist allerdings, wie das Geld investiert wird: Unter den reicheren Ländern schneiden nämlich jene am besten bei PISA ab, die durch bessere Bezahlung und hohes berufliches Ansehen die besten Studenten für den Lehrerberuf gewinnen können. Keine positive Auswirkungen hat hingegen die Senkung der Schülerzahl pro Klasse.

In ärmeren Ländern gelten indes andere Regeln: Dort schneiden Staaten wie Polen oder Lettland deutlich besser ab als etwa Aserbaidschan oder Peru, wo das BIP pro Kopf nur etwa halb so groß ist. In ärmeren Ländern ist auch kein Zusammenhang zwischen der Leistung der Schüler und dem Status und Einkommen von Lehrern festzustellen. (APA)

Nota. 

Ist das erwiesen, dass durch bessere Bezahlung und höheres Ansehen  "die besten Studenten" für den Lehrerberuf gewonnen werden, oder ist es nur eine Annahme?
J.E.

Mittwoch, 15. Februar 2012

Die Verwöhnungsfalle.

aus NZZ, 13. 2. 2012



«Die meisten Eltern würden am liebsten immer Ja sagen»
 
Der Psychologe Henri Guttmann über falsch verstandene Elternliebe und wie man sie überwindet


Herr Guttmann, darf man mit seinem Kind heutzutage noch guten Gewissens streng, böse oder fordernd sein?

Eltern, die ihren Kindern bedingungslose Elternliebe zukommen lassen, geraten leicht in die Verwöhnungsfalle. Sie haben gute Absichten und wollen nur das Beste. Aber die heutige Generation von Kindern wird sich mit Altersgenossen auf der ganzen Welt messen müssen. Wer Erfolg haben will, muss gut ausgebildet, diszipliniert und tüchtig sein. Diese Fähigkeiten muss die Erziehung den Jugendlichen mitgeben. Jugendliche wollen zwar Freiheiten haben, aber das heisst noch lange nicht, dass sie auch damit umgehen können. Es ist die Aufgabe der Eltern, den Jugendlichen die Grenzen zu setzen.

Sind Eltern tendenziell zu nachgiebig?

Heutzutage würden die meisten Eltern am liebsten immer Ja sagen zu ihren Kindern, denn Ja ist das Symbol für die Liebe schlechthin. Im Praxisalltag erlebe ich häufig, dass Kinder zu viel Macht im familiären System haben und Eltern sich nicht mehr getrauen, auch einmal ein klares Nein auszusprechen. Kinder werden nicht selten als einziger Lebenssinn betrachtet. Darunter leidet nicht zuletzt die Paarbeziehung, die so marginalisiert wird.

Man kann sein Kind also falsch lieben.

Wenn Eltern ihre Kinder zu sehr lieben, zeigt sich dies zum Beispiel in der Ausstattung mit zu vielen materiellen Gütern, Süssigkeiten und so weiter. Wie kommt es sonst dazu, dass bereits 20 Prozent der Kinder in einer Zürcher Schulklasse übergewichtig sind? In einer Landgemeinde fahren so viele Mütter ihre Kinder regelmässig mit dem Auto zur Schule, dass es jeden Morgen zu einem Verkehrsstau kommt. Dabei stärkt gerade die selbständige Bewältigung des Schulwegs das Selbstvertrauen eines Kindes. Häufig werden den Kindern alle Steine aus dem Weg geräumt. Doch die Steine, die wir den Kindern heute aus dem Weg räumen, werfen sie uns morgen nach!

Wie äussert sich falsch verstandene Elternliebe in der Praxis?

Das Hauptproblem besteht darin, dass die Eltern ihren Kindern ein unrealistisches, falsches Weltbild vermitteln. Die Kinder erleben dann die Aussenwelt als feindselig und geraten in eine aggressive Anspruchshaltung gegenüber ihren Eltern. Damit entsteht eine unheilvolle Abhängigkeit. Jede Anforderung ist dann gleich eine Majestätsbeleidigung. Bereits 1930 befasste sich Alfred Adler eingehend mit den Funktionen der krank machenden Wirkung des verwöhnenden Erziehungsstils. Adler spricht dabei vom «verzärtelten Kind», das immerwährend die Befriedigung seiner Ansprüche durch die andern erwartet. Er spricht sogar davon, dass dies einer Kindsmisshandlung gleichkomme. Eltern geraten durch diesen Erziehungsstil nicht selten in Erschöpfungszustände und Depressionen. Entsprechend leidet das Eheleben. Übrigens leiden nur sehr wenige Kinder darunter, wenn es ihre Eltern zusammen lustig haben - ohne Kinder.

Wie kommen Eltern aus der «Verwöhnungsfalle» wieder heraus?

Ich empfehle einen sanften Ausstieg mit einem Verwöhnstopp-Programm. Regel 1: Anforderungen stellen. Man sollte mit einer einzigen Anforderung beginnen, die einem wichtig erscheint. Dabei sollte man das Kind los-, aber nicht fallenlassen. Regel 2: Eltern sollten Kindern vertrauen und ihnen vieles zutrauen. Überaktive Eltern ergeben passive Kinder! Regel 3: Dienstleistung abbauen! Die häuslichen Dienstleistungen sind selbstkritisch dahingehend zu überprüfen, was das Kind schon selbständig erledigen kann. Regel 4: Nein sagen. Es gibt im Alltag drei verschiedene Nein. Das spontane Nein (wenn zum Beispiel die 12-jährige Tochter ein Zungenpiercing oder der 6-Jährige einen Elektroroller will), das verhandelbare Nein wie im Fall der Ausgangsregelung an Geburtstagen und das kategorische, nicht verhandelbare Nein, wenn die Tochter im Estrichzimmer Kerzen anzünden will oder der 14-jährige Sohn mit Kollegen allein ans Meer reisen möchte.

Die Beziehung zwischen Eltern und Kind wird durch Liebe und Hierarchie geprägt. Wie kann das funktionieren?

Ein Begriff, der das gut beschreibt, ist die «elterliche Präsenz». Das bedeutet, ich stehe als Vater oder Mutter zu meiner Erziehungsrolle. Das impliziert, dass mich meine Töchter hie und da voll peinlich finden. Ich empfehle Eltern den Mut zur Peinlichkeit. Wenn Kinder zu Kumpeln der Eltern werden, lassen sie sich nichts mehr vorschreiben und gefährden sich damit selbst.

Schadet zu viel Liebe der Disziplin?

Wenn Eltern ihre Sprösslinge vergöttern, erleben diese im schulischen Alltag einen Kulturschock. Die Diskrepanz zu der grenzenlosen Liebe und permanenten Aufmerksamkeit zu Hause muss im Klassenzimmer zu Problemen führen. Nicht selten haben genau diese Kinder Anpassungsprobleme und stören den Unterricht. Die Eltern erklären sich dann dieses Defizit gerne mit einer nicht erkannten Hochbegabung.

Ist es normal, wenn Teenager jede Nacht im elterlichen Bett schlafen?

Kinder sollen grundsätzlich im eigenen Bett schlafen. Das heisst nicht, dass sie nicht zu den Eltern kommen dürfen, wenn sie einmal schlecht geträumt haben. Dass 11-jährige Buben immer noch im Bett der Mutter schlafen, kommt recht häufig bei alleinerziehenden Müttern vor. Nachdem der Vater ausgezogen ist, kommt bei den Teenagern dann der Irrglaube auf, sie seien jetzt der Mann im Haus. Im Streitfall lassen sie sich dann von der Mutter nichts mehr sagen. Das ist der Beginn einer unguten Entwicklung.

Früher versorgte die Rekrutenschule die jungen Männer mit Drill und Disziplin und galt auch ein bisschen als «Werkstatt», um Erziehungsdefizite zu reparieren. Fehlt so etwas heute?

Heute übernimmt die Berufslehre zu einem Teil die Funktion der Werkstatt, um erzieherische Defizite auszuhebeln. Die Lehrmeister erwarten deshalb zu Recht, dass sie bei diesem pädagogischen Auftrag von den Eltern voll unterstützt werden. Jugendliche, die im Elternhaus nicht gelernt haben, eine Schwierigkeit auszuhalten, und beim ersten Problem die Flinte ins Korn werfen, sind in der heutigen Arbeitswelt deutlich benachteiligt.
Interview: Claudia Wirz

Henri Guttmann ist Psychologe und betreibt in Winterthur eine Praxis für Paar- und Familientherapie.

Dienstag, 14. Februar 2012

Überbehüterli.

aus NZZ, 13. 2. 2012


Die Tyrannei der Elternliebe
 
Warum Überbehütung den Kindern, den Eltern, der Schule und der Gesellschaft schadet


Erziehung soll liebevoll sein. Aber erdrückende oder falsch verstandene Elternliebe ist schädlich. Ein Schlüsselfaktor der guten Erziehung ist Distanz.

von Margrit Stamm

Kinderkriegen ist wieder im Trend. Nicht aus ökonomischen Gründen wie früher. Man bekommt heute Kinder, um dem Leben einen Sinn zu geben, um Liebe zu schenken. So antwortet zumindest ein Grossteil der Eltern oder solche, die es werden wollen. Elternliebe ist einmalig und unvergleichlich. Sie entspricht nicht dem «coup de foudre», der Liebe auf den ersten Blick. Vielmehr führt sie zu einer Symbiose über Jahre hinweg und gilt deshalb als grösser, inniger, zarter und selbstloser. 62 Prozent der 20- bis 39-Jährigen meinen, dass Eltern ihr eigenes Leben hinter dasjenige des Kindes stellen sollten.

Das perfekte Kind

Der Schriftsteller Jean Paul hat einmal gesagt, mit einer Kindheit voll Liebe könne man ein halbes Leben lang in der kalten Welt auskommen. Aber genügt es, das Kind zu lieben, wenn man es gut erziehen will? Und: Kann Elternliebe auch zu viel des Guten sein?

Ja, Eltern können zu sehr lieben, das schreibt die Psychoanalytikerin Caroline Thompson in ihrem Buch «Die Tyrannei der Liebe». In der Tat hat sich die Beziehung zum Kind durch die Idealisierung der Elternliebe verwandelt. Das Kind ist zu einem narzisstischen Objekt geworden, das den Eltern durch seine Perfektion Wert verleiht und ihre Existenz rechtfertigt. Und auch aus der Forschung ertönt die Forderung, dass gute Eltern ihr Kind lieben müssen.

Welche Last wird damit Müttern und Vätern aufgeladen? Werdende Mütter drückt ein Schuldgefühl, wenn sie wegen ihrer Berufstätigkeit dem ungeborenen Kind zu wenig Zuwendung entgegenbringen können. Spätestens beim ersten merkwürdigen Verhalten ihres Sprösslings fragen sie sich, was sie falsch gemacht haben. Väter fühlen sich schuldig, wenn sie sich zu wenig Zeit für Frau und Kind nehmen.

Nur - was ist eine gute Mutter, was ist ein guter Vater? Wer nachfragt, bekommt unterschiedliche Antworten. Für die einen sind Vater und Mutter dann gute Eltern, wenn ein Kind mehr kann als Gleichaltrige, für die anderen, wenn sie vom Kind bedingungslos geliebt werden, für die Dritten, wenn sich Eltern für ihr Kind aufopfern. Auch die pädagogische Forschung hat keine eindeutige Antwort, aber eine klare Botschaft: Gute Väter und Mütter sind aufmerksam, liebevoll und akzeptierend. Sie sind aber vor allem eines nicht: perfekt. Es gibt keine Eltern, die in der Erziehung keine Fehler machen. Eltern dürfen Fehler machen, aber sie sollen auch Anforderungen stellen und Regeln vorgeben. Und sie sollen sich nicht zu stark mit ihrem Kind identifizieren.

Dies fällt aber vielen Eltern schwer. Sie empfinden sich als Versager, sobald erste Konflikte auftauchen oder das Kind etwas nicht kann. Der Philosoph Alain de Botton bezeichnet dies als Statusangst: die Angst vor dem Statusverlust. Diese zeigt sich in der zunehmenden Tendenz, bei jeder Schwierigkeit einen Spezialisten aufzusuchen. In diesem Rückgriff spiegelt sich die Angst, dass die Vorstellung vom perfekten Kind nicht greift.

Weil Erziehung kein Kochrezept ist, versuchen es viele Eltern ohne Erziehung, dafür mit Partnerschaft. Doch Erziehung verlangt Distanz. Wie soll ein Zehnjähriger selbständig werden, wenn ihn seine Mutter als ihren «besten Freund» bezeichnet und sich dauernd mit ihm beschäftigt?

Wer sein Kind übertrieben beschützt, zu sehr liebt oder eng kontrolliert, nimmt ihm die Möglichkeit, selbständig zu werden. Eine solche Überbehütung zeigt sich etwa dort, wo die Tochter es nicht schafft, die Hausaufgaben ohne Hilfe der Eltern zu erledigen, obwohl sie die nötigen intellektuellen Fähigkeiten besitzt, oder wo der Sohn nicht in der Lage ist, seine Tasche für das Fussballtraining selbst zu packen.

Eltern, die sich überfürsorglich verhalten, schaden ihrem Kind, obwohl sie das Gegenteil wollen. Erstens, weil ihre übertriebene Elternliebe zur Paradoxie führt, dass ihr Kind zu kurz kommt. Es fehlt ihm der Freiraum, in welchem es mit seinen Problemen umgehen und diese lösen muss. Zweitens werden Kinder auf diese Weise nicht nur zu unselbständigen Menschen erzogen, sondern auch um eine entwicklungspsychologisch wesentliche Lernerfahrung gebracht: ohne Elternhilfe selber etwas zu erreichen und erfolgreich ein Hindernis zu überwinden. Solche Erfahrungen stärken das Selbstwertgefühl und machen Kinder stark. Drittens kann ein Kind kaum am eigenen Scheitern wachsen, wenn es seinen Eltern schwerfällt, seine Unsicherheiten und Fehlschläge zu ertragen. - Überbehütete Kinder haben deshalb oft Schwierigkeiten, Entwicklungsaufgaben zu bewältigen, wie sie der Schuleintritt oder die Integration in eine Gleichaltrigengruppe darstellen. In der Pubertät lehnen sich dann viele Jugendliche gegen das gläserne Gefängnis auf, indem sie Freiräume in riskanten Verhaltensweisen, in Provokationen oder Gesetzesübertretungen suchen.

Das richtige Mass

Warum fällt es heutigen Eltern so schwer, Raum zwischen sich und dem Kind entstehen zu lassen? Warum ist die Freizeit häufig komplett verplant? Gründe gibt es viele. In seinem Buch «Droge Verwöhnung» nennt Jürg Frick an erster Stelle die elterlichen Schuldgefühle. Viele Eltern fühlen sich schuldig, weil sie nur wenig Freizeit mit dem Kind verbringen können. Deshalb überschütten sie ihren Sprössling mit Frühförderung und einem Zimmer voll Spielsachen. Oder sie nehmen ihm alles ab, was Anstrengung erfordert.

Später sind es das in Strömen fliessende Sackgeld, die Markenjeans oder das Bemühen der Mutter, den Kühlschrank mit den Lieblingsspeisen des Sohnes zu füllen. Ist die Ehe in die Brüche gegangen, bleibt die Beziehung zum Kind das einzig Stabile. Verständlich, wenn man Konflikte vermeidet, um seine Liebe nicht zu verlieren.

Erziehung und Elternliebe gehören zusammen. Ihre Funktion ist es, Kinder zu autonomen Menschen zu erziehen. Eine zu grosse Nähe braucht deshalb Korrekturen. Maria Montessori hat dazu einen Weg aufgezeigt: «Hilf mir, es selbst zu tun!» Eltern sollten überlegen, wie ihr Kind ihm übertragene Aufgaben eigenständig bewältigen kann. So unterstützen sie es in der Entwicklung seiner Identität jenseits der Familienbindung. Solche Kinder sind selbstbewusst. Sie haben nicht alle Freiheiten, sondern halten sich an Regeln, welche die Eltern festlegen. Die Elternrolle besteht eben im Anderssein und nicht in Gleichartigkeit. Deshalb gilt es, das richtige Mass an Distanz (wieder) zu finden.

Margrit Stamm ist Professorin für Erziehungswissenschaft an der Universität Freiburg, Schweiz.

Montag, 13. Februar 2012

Das Jungen-Syndrom.

aus Frankfurter Allegemeine Sonntagszeitung, 12. 2. 2012

Wo die wilden Kerle wohnten

Ritalin ist eine Pille gegen eine erfundene Krankheit, gegen die Krankheit, ein schwieriger Junge zu sein. Immer mehr Jungs bekommen die Diagnose. Die Pille macht sie glatt, gefügig, still und abhängig.

Von Christiane Hoffmann und Antje Schmelcher

 

Jeder zehnte Junge in Deutschland ist krank. Zu wild und zu laut. Er testet ständig Grenzen. Er kann in der Schule nicht stillsitzen, ist ungeduldig, kann sich nicht konzentrieren, er wird wütend und aggressiv. Er stört. Er provoziert, obwohl er es nicht will, er fühlt sich missverstanden. Er bekommt schlechte Noten. Er ist schwierig und anstrengend für Eltern und Lehrer, so schwierig, dass er irgendwann beim Kinderarzt sitzt und die Diagnose bekommt: ADHS, das Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom. Dann ist der Junge nicht mehr schwierig, sondern krank.

Für ein schwieriges Kind gibt es Gründe: überforderte Eltern, eine kaputte Familie, unfähige Lehrer, zu viel Computerspiele und zu wenig Kletterbäume. Wenn ein schwieriges Kind für krank erklärt wird, braucht sich niemand verantwortlich zu fühlen: Krankheiten können genetisch veranlagt sein oder Schicksal oder beides. Keiner kann etwas dafür. Nicht der Junge, nicht Eltern, nicht Lehrer, nicht Umstände. Wer krank ist, bekommt Medizin. Eine Pille, die gesund macht. Für die wilden Jungs gibt es eine Pille, die sie still und aufmerksam macht: Ritalin.

 

Ein anstrengendes Kind


„Ohne Ritalin bin ich lustiger“, sagt Paul, „aber ohne Ritalin kann ich mit den anderen in meiner Klasse nicht mithalten.“ Seit fünf Jahren legt seine Mutter jeden Morgen die weiße Pille in eine kleine Schüssel neben sein Müsli. „Paul war ein anstrengendes Kind“, sagt sie. Sie trägt Tweed-Kostüm und Perlenkette. Sie stellt ihren Laptop auf den dunklen Holztisch im Wohnzimmer und präsentiert Pauls Krankengeschichte als Power-Point-Vortrag: Schulprobleme, Arztbesuche, ein paar routinierte Klicks. Pauls Mutter ist Werberin. Paul sitzt auf der anderen Seite des Tisches und isst ein Wiener Würstchen. Er hat zehn Stunden Schule hinter sich. Er ist jetzt 16. „Ich bin gern Kind“, sagt er.

Von klein an sollte Paul umfassend auf die Leistungsgesellschaft vorbereitet werden. Er kam in einen bilingualen Kindergarten. Es ging ihm nicht gut dort. Trotzdem wurde er auf der Europa-Schule eingeschult: Die Probleme wurden schlimmer. Paul rastete aus, in der Schule, zu Hause. Einmal, als die Mutter es nicht mehr aushielt, brachte sie ihn zum Vater in die WG. Paul gefiel es dort. „Da war ein Student zu Besuch“, sagt er, „der ist mit mir immer wieder rauf und runter das Einmaleins durchgegangen. Der hat sich richtig Zeit für mich genommen. Da habe ich das kapiert.“ Nach der dritten Klasse bekam Paul eine Sonderschulempfehlung. Seine Mutter fuhr mit ihm ins Krankenhaus und bekam die Diagnose.

 

90 Prozent der ADHS-Diagnosen sind falsch


Der Spandauer Kinderarzt Ulrich Fegeler kennt das aus seiner Praxis: Oft kommen Eltern mit ihren Kindern zu ihm und wollen die ADHS-Diagnose. Er selbst stellt sie als Kinderarzt nicht aus, sondern schickt Verdachtsfälle zu den Kinder- und Jugendpsychiatern der großen Krankenhäuser. „Ich habe noch niemanden erlebt, der ohne Diagnose zurückgekommen ist“, sagt der Kinderarzt. Noch niemanden.

Ulrike Lehmkuhl, Direktorin der Kinderklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie an der Berliner Charité, beobachtet seit etwa zehn Jahren eine Inflation von ADHS-Diagnosen. Dass sich das Syndrom tatsächlich ausbreitet, hält sie für unwahrscheinlich: „Das ist schließlich kein Virus“, sagt Lehmkuhl. Von zehn Kindern, die mit einer ADHS-Diagnose zu ihr geschickt werden, stellt sie bei neun eine andere Verhaltensstörung oder psychische Erkrankung fest. Kurz gesagt: 90 Prozent der ADHS-Diagnosen sind falsch. Der Diagnosen, nicht der Kinder. Drei Kriterien müssten für eine richtige ADHS-Diagnose zusammenkommen, sagt Lehmkuhl: Impulsivität, Hyperaktivität und ein Aufmerksamkeitsdefizit. „Und das schon seit dem frühen Kindesalter: ADHS, das in der siebten Klasse plötzlich auftritt, gibt es nicht!“

 

Eine fabrizierte Erkrankung


Noch radikaler sah es der Erfinder von ADHS: der amerikanische Psychiater Leon Eisenberg. In den späten sechziger Jahren hatte er dafür gesorgt, dass die Hippeligkeit und Konzentrationsschwäche, die er bei einigen Kindern feststellte, unter dem Namen ADHS als psychische Erkrankung klassifiziert wurde. Doch als die ADHS-Diagnosen wucherten und die Ritalin-Verschreibungen explodierten, kamen ihm Zweifel. Vierzig Jahre später, kurz vor seinem Tod, gestand Eisenberg dem Wissenschaftsjournalisten Jörg Blech, dass er nicht mehr an ADHS glaubt. ADHS, sagte er, sei „ein Paradebeispiel für eine fabrizierte Erkrankung“.

Keine Krankheit, ein Deutungsmuster: als psychisch krank wird definiert, was gegen bestimmte Regeln verstößt und von Normen abweicht. Diese Normen sind nicht ein für alle Mal festgelegt, sie können sich verändern. ADHS ist ein Jungen-Syndrom. Jungen bekommen die Diagnose viermal so oft wie Mädchen. Sie sind es, die über die Stränge schlagen und gegen Regeln verstoßen. Wer hat sich verändert? Die Jungen? Die Regeln?


Ritalin - das in Deutschland auch unter dem Handelsnamen Medikinet vertriebene Arzneimittel mit dem Wirkstoff Methylphenidat gehört zu den Amphetamin-ähnlichen Substanzen. Es unterliegt betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften.

Unsere Systeme sind für Jungen unfreundlich geworden“, sagt Gerd Glaeske, Professor für Arzneimittelversorgungsforschung an der Universität Bremen und ehemaliges Mitglied des Sachverständigenrats für Gesundheit. Jungen, so meint er, wollten risikoreicher leben und sich erproben. Dafür fehlten ihnen aber heute die Freiräume. „Jungen versuchen, Grenzen zu überschreiten“, so Glaeske, „das gilt in unserem System als auffällig.“ Die Toleranz für ein Verhalten, das früher selbstverständlich als jungenhaft akzeptiert wurde, hat rasant abgenommen. „Wenn man sagt, dass Jungen stören, muss man auch über die reden, die sich davon gestört fühlen“, fordert Professor Glaeske.

 

Meistens sind es Jungs


„Die ADHS-Patienten in meiner Praxis sind ausschließlich Jungen“, sagt der Arzt Ulrich Fegeler, der zugleich Sprecher des Berufsverbandes für Kinder und Jugendmedizin ist. „Aufmerksamkeitsdefizit“ hält er eigentlich für einen irreführenden Begriff. Im Gegenteil seien diese Jungen eher zu aufmerksam. „Jeder Reiz wird wichtig genommen.“ Früher habe es einen großen Bedarf an solchen Menschen gegeben, die in kürzerer Zeit mehr mitbekommen als andere. „Das waren ideale Kämpfer, Jäger und Wächter mit einem besonderen Gespür für ihre Umwelt“, sagt Fegeler, „aber in unserer Gesellschaft braucht man sie nicht mehr.“ Oder glaubt, sie nicht mehr zu brauchen.

Fegeler hält die Begleiterscheinungen von ADHS wie Lese- und Rechtschreibschwächen, Tics und Auffälligkeiten im Sozialverhalten in Wirklichkeit für psychische Reaktionen darauf, wie die Gesellschaft mit diesen Jungen umgeht. „Sie kriegen ständig eins drauf, das macht sie psychisch krank“, sagt er.

Paul nahm zum ersten Mal Ritalin für den Schultest zum Gymnasium. Nun gibt es in Pauls Leben ein Davor und ein Danach. Vor Ritalin habe sie mit Paul kein vernünftiges Gespräch führen und schon gar nicht lernen können, sagt Pauls Mutter. Danach ging alles wie von selbst: „Ich hatte ein neues Kind.“ Jetzt ist Paul kein anstrengendes Kind mehr, nicht für die Mutter, nicht für die Lehrer.

 

Kinder sollen vorne mitschwimmen


Der Verhaltenstherapeut hatte vorausgesagt, dass Paul mit Ritalin in der Schule eine Note besser würde. Und tatsächlich: Seit Paul die Pille nimmt, kommt er ohne Probleme mit, Vokabellernen und Rechtschreibung haben sich verbessert, die Leseschwäche ist verschwunden. Paul besucht ein privates Gymnasium, das auch ADHS-Kinder nimmt und Rechtschreibung bis zur zehnten Klasse nicht bewertet. Später möchte er Ingenieur werden. Ganz besonders interessieren ihn Bohrtürme auf schwankendem Untergrund. Im vergangenen Jahr wollte Paul das Ritalin absetzen, doch seine Lehrerin fand, so kurz vor dem Abitur sei das nicht der richtige Zeitpunkt. Pauls Mutter glaubt, dass er auch für das Studium Ritalin brauchen wird. „Wir leben in einer Leistungsgesellschaft“, sagt sie „und ich möchte, dass meine Kinder ganz vorne mitschwimmen.“

Professor Glaeske spricht bei ADHS von „Zuschreibungsdiagnosen“. Sie werden unter gesellschaftlichem Druck ausgestellt, um die Gabe leistungssteigernder Mittel zu legitimieren. Bei ADHS heißt das in der Regel Ritalin, das aus dem Wirkstoff Methylphenidat (MPH) besteht. Seit Anfang der neunziger Jahre hat sich die in Deutschland verschriebene Menge von MPH explosionsartig vervielfacht: von 34 Kilo im Jahr 1993 auf fast 1,8 Tonnen im Jahr 2010. Das ist mehr als die fünfzigfache Menge. Sie landet in den Körpern von Kindern: erst seit April ist MPH auch für Erwachsene zugelassen.

Für die Pharmaindustrie ist MPH ein Goldesel: Sechs Konzerne bieten das Medikament unter verschiedenen Namen auf dem deutschen Markt an. Das Nürnberger Pharmaunternehmen Novartis, das Ritalin herstellt, machte damit 2010 weltweit einen Umsatz von 464 Millionen Dollar. 2006 waren es erst 330 Millionen Dollar gewesen. Darüber hinaus gibt es eine ganze ADHS-Industrie mit meterweise Literatur und speziellem ADHS-Spielzeug.

 

Verhaltensänderung, aber keine Konfliklösung


Hunderttausende Jungen werden in Deutschland mit Ritalin brav gemacht. Das Mittel ändert ihr Verhalten, den Konflikt löst es nicht. „Das Medikament lindert die Symptome, doch es heilt nicht“, sagt Frau Lehmkuhl. Professor Glaeske schätzt, dass etwa 250 000 Kinder in Deutschland Ritalin einnehmen. Andere Therapien werden vernachlässigt. ADHS sei eine Domäne der Arzneimitteltherapie, warnte Glaeske schon vor vier Jahren. Vier von fünf Kindern mit ADHS würden ausschließlich mit Medikamenten therapiert. Dabei sehen die medizinischen Leitlinien begleitende Verhaltenstherapien vor, mit deren Hilfe die Kinder weitgehend auf Ritalin verzichten könnten. Spätestens nach einem Jahr soll versucht werden, das Medikament abzusetzen: ein sogenannter Auslassversuch.

Doch das ist nicht so einfach. Ritalin, das in hoher Dosierung ähnlich wirkt wie Kokain, macht psychisch abhängig. Wenn Paul die Tablette vergisst, kommt er von der dritten Stunde an nicht mehr mit. Für solche Fälle hat er immer eine Notration Ritalin in seinem Schulranzen. Andere Ritalin-Kinder können ohne Medikament den Stress nicht mehr ertragen. Sie ziehen sich zurück, isolieren sich von ihrer Umwelt. „Wir wissen nicht genau, wie es auf das Gehirn wirkt“, sagt Frau Lehmkuhl. 

Methylphenidat gilt nicht als Rauschmittel, unterliegt aber dem Betäubungsmittelgesetz, weil es als leistungssteigernde Droge missbraucht werden kann.



„Das Verrückte an dem Zeug ist, dass es eine ganz andere Wirkung hat, wenn man es verpulvert über die Schleimhäute einnimmt“, sagt Paul. Seine Mutter ist entgeistert: „Woher weißt du das?“ – „Das sagt man so“, entgegnet Paul auf seine sanfte Art. Ein zweites Wiener Würstchen lehnt Paul dankend ab. Richtig Hunger bekommt er erst später, wenn die Wirkung des Ritalins nachlässt. Dann hat er manchmal regelrechte Fressattacken. Außerdem schläft er sehr spät ein. Er muss warten, bis sein Körper das Ritalin abgebaut hat. Das sind die Nebenwirkungen von MPH: Schlafstörungen, Essstörungen, Bluthochdruck und vermindertes Wachstum.

 

Orangensaft im Schulaquarium


Robins Eltern wollen nicht, dass ihr Sohn Ritalin nimmt. „Wir halten unser Kind nicht für krank“, sagt seine Mutter. Robin ist zwölf und trägt einen stoppelkurzen Fußballerhaarschnitt. Er zeigt ein freches Zahnspangenlächeln und blickt dann etwas verlegen in die Runde. So recht weiß er nicht, worüber er nun reden soll, und wackelt stattdessen mit den Füßen am Wohnzimmertisch. Vor ein paar Jahren hat ihm ein Arzt gesagt, dass er ADS hat, aber so genau kann sich Robin darunter nichts vorstellen. Hat er Probleme? Robin zuckt mit den Schultern und sieht seine Eltern an. Geht er gern in die Schule? „Nö!“ Seine Lieblingsfächer? „Pause und Ausfall.“ Robin lacht wieder und lässt dann möglichst unauffällig sein Handy aus der Hosentasche in die rechte Hand gleiten.

Schon sehr früh merkten sie, dass er Probleme hat, etwas ohne Anleitung zu tun. Vom Packen der Hockeytasche bis zu den Hausaufgaben. In der zweiten Klasse wurde Robin auf Empfehlung der Lehrer von mehreren Fachärzten durchgecheckt. Er hatte Orangensaft ins Schulaquarium gekippt und nicht auf die Anweisungen der Lehrer reagiert. Die Diagnose: ADS, ein Aufmerksamkeitsdefizit ohne Hyperaktivität. „Da hatte das mal einen Namen“, sagt sein Vater. „Heute wird der, der aus der Norm fällt, für krank erklärt“, meint seine Mutter. „Als ob Schulversagen eine Krankheit ist.“

Robin bekam Lern- und Ergotherapien. Dann verlangte der Kinderarzt, Robin solle zur Unterstützung der Therapie Ritalin nehmen. Die Eltern weigerten sich. Der Kinderarzt nannte das „unverantwortlich“. Robin bekam keine Therapien mehr. Auch die Nachbarin, deren Sohn seit der ersten Klasse Ritalin nimmt, empfahl das Medikament wärmstens. „Der ist super in der Schule“, sagt Robins Mutter über den Nachbarsjungen. „Dafür ist er einen Kopf kleiner als Robin“, sagt sein Vater.

 

Ein Gedicht von Jacques Prévert


Robins Mutter hält Ritalin für ein Verbrechen an den Kindern. „Wenn ich meinem Kind ein Medikament gebe, damit es in der Schule besser wird, zeige ich ihm doch, dass ich es ändern will. Dann muss mein Sohn doch denken, dass ich ihn ohne Medikament nicht ertragen kann. Wo steht eigentlich geschrieben, dass ein Kind nicht anstrengend sein darf?“

Weil Robin kein Ritalin nimmt, schaffte er es nur mit größter Mühe auf ein Gymnasium. Für seine Eltern war das gar nicht so wichtig, aber Robin sorgte sich: „Was soll aus mir werden?“ Mit seinen Freunden kann Robin sich jetzt kaum noch treffen, weil er für die Hausaufgaben meist lange braucht. Drei Nachhilfelehrer hat Robin schon vergrault. In der Schule ist er nicht mehr so auffällig. Jedenfalls fühlt sich die Lehrerin weniger provoziert, seit sie von der Diagnose weiß. „Robin hat einen starken Charakter, wie ich“, sagt seine Mutter. Sie ist Künstlerin. „Das kann man doch nicht einfach wegtherapieren.“ Sie findet ihren Sohn in einem Gedicht von Jacques Prévert:

„Mit dem Kopf sagt er nein
Aber mit dem Herzen sagt er ja
Er sagt ja zu allem was er mag
Er sagt nein zum Lehrer
Er steht da
Er wird geprüft
Und alle Aufgaben sind gestellt
Plötzlich ergreift ihn ein irres Lachen
Er wischt alles aus
Die Ziffern und die Wörter
Die Daten und die Namen
Die Lehrsätze und die Fangfragen
Und trotz der Drohungen des Lehrers
Verspottet von den Wunderkindern
Nimmt er alle bunten Kreiden

Auf der schwarzen Unglückstafel
Malt er das Gesicht des Glücks.“

Freitag, 10. Februar 2012

Der Suchtmittelkonsum bei Kindern und Jugendlichen ist weiter rückläufig..

Pressemitteilung

 
Suchtmittelkonsum bei Jugendlichen rückläufig 
Neue Studienergebnisse der BZgA
 
 
 
Dr. Marita Völker-Albert 
Pressestelle
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
 
 
10.02.2012 11:00
 
Die aktuelle Repräsentativerhebung „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2011“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigt, dass der Konsum von Alkohol, Tabak und Cannabis unter Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren in den letzten zehn Jahren kontinuierlich zurückgegangen ist. Im Gegensatz zum insgesamt positiven Trend bei den Jugendlichen ist bei den jungen Erwachsenen zwischen 18 bis 25 Jahren der Alkoholkonsum unverändert hoch und der Cannabiskonsum stabil. Lediglich beim Tabakkonsum ist auch in dieser Altersgruppe ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen.
 
Die aktuelle Repräsentativerhebung „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2011“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigt, dass der Konsum von Alkohol, Tabak und Cannabis unter Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren in den letzten zehn Jahren kontinuierlich zurückgegangen ist. Im Gegensatz zum insgesamt positiven Trend bei den Jugendlichen ist bei den jungen Erwachsenen zwischen 18 bis 25 Jahren der Alkoholkonsum unverändert hoch und der Cannabiskonsum stabil. Lediglich beim Tabakkonsum ist auch in dieser Altersgruppe ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Befragt wurden 5.001 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren.

„Es ist erfreulich, dass immer weniger Kinder und Jugendliche mit Suchtstoffen in Berührung kommen. Dies ist ein Zeichen, dass die vielfältigen Präventionsmaßnahmen greifen", so die Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans. „Gleichzeitig zeigen die aktuellen Zahlen aber auch die weiterhin dringlichen Handlungsfelder auf: So wird die zielgruppenspezifische Prävention riskanter Konsummuster – insbesondere beim Alkohol – vorrangig bleiben.“

„Bei minderjährigen Jugendlichen hat in den letzten Jahren eine Trendumkehr im Suchtmittelkonsum stattgefunden. Dies lässt sich am Rückgang beim Tabakkonsum auf einen neuen Tiefstand, am Rückgang im Cannabiskonsum und jetzt auch beim Rauschtrinken festmachen“, erklärt Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. „Diese positiven Trends müssen fortgesetzt werden, damit sie später auch im Erwachsenenalter Wirkung zeigen. Dafür ist vor allem im Bereich der Alkoholprävention eine Fortsetzung der Kampagnenaktivitäten in den nächsten Jahren unverzichtbar.“

Die seit mehr als drei Jahrzehnten regelmäßig durchgeführte Drogenaffinitätsstudie der BZgA ist das zentrale Instrument zur Erfassung von Trends im Suchtmittelkonsum junger Menschen in Deutschland. Die repräsentativen Daten stellen die Basis dar für die Steuerung nationaler Aktivitäten der BZgA zur Suchtprävention. Die aktuellen Zahlen belegen, dass die bundesweiten Maßnahmen, die in erster Linie auf jüngere Zielgruppen gerichtet sind, wirken. Die langjährigen und kontinuierlichen Aktivitäten in der Tabakprävention haben nicht nur bei Jugendlichen, sondern zunehmend auch bei jungen Erwachsenen zu Konsumrückgängen geführt. Wenn weiterhin mit unverminderter Intensität koordinierte Maßnahmen für die Alkoholprävention durchgeführt werden, können auch in diesem Bereich solche Effekte erwartet werden.

Wichtigste Ergebnisse zu den einzelnen Suchtmitteln

Alkoholkonsum
 
Der regelmäßige, das heißt mindestens wöchentliche, Alkoholkonsum ist bei den 12- bis 17-Jährigen von 17,9 Prozent im Jahr 2001 auf 14,2 Prozent im Jahr 2011 deutlich zurückgegangen. Bei den jungen Erwachsenen zwischen 18 bis 25 Jahren ist gegenüber 2001 keine Veränderung zu verzeichnen (39,8 Prozent).
 
Rauschtrinken (Binge Trinken) bezeichnet den Konsum von mindestens fünf alkoholischen Getränken bei einer Trinkgelegenheit. Die Verbreitung dieses besonders riskanten Alkoholkonsums erfasst die BZgA mit der Drogenaffinitätsstudie seit 2004. Gaben damals noch 22,6 Prozent der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen an, in den letzten 30 Tagen Rauschtrinken praktiziert zu haben (30-Tage-Prävalenz), so ist diese Quote im Jahr 2011 auf 15,2 Prozent signifikant zurückgegangen. Bei den 18- bis 25-Jährigen liegt die 30-Tage-Prävalenz des Rauschtrinkens im Jahr 2011 bei 41,9 Prozent und ist damit fast unverändert hoch wie im Jahr 2004 (43,5 Prozent).

Tabakkonsum
 
Die Raucherquote unter den Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren ist auf einen neuen historischen Tiefstand gesunken: von 27,5 Prozent in 2001 auf 11,7 Prozent in 2011. Auch die Raucherquote unter jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren ist im selben Zeitverlauf signifikant von 44,5 Prozent auf 36,8 Prozent zurückgegangen.
 
Parallel zu dieser Entwicklung ist der Anteil der jungen Menschen, die noch nie im Leben geraucht haben, weiter gestiegen: Unter den 12- bis 17-Jährigen hat sich der Nieraucheranteil von 40,5 Prozent in 2001 auf 70,8 Prozent in 2011 und unter den 18- bis 25-Jährigen signifikant von 23,1 Prozent in 2001 auf 27,6 Prozent in 2011 erhöht.

Cannabiskonsum
 
Im Jahr 2011 gaben 6,7 Prozent der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen an, schon einmal Cannabis konsumiert zu haben (Lebenszeitprävalenz). Damit hat sich der Prozentsatz im Vergleich zum Spitzenwert aus dem Jahr 2004 (15,1 Prozent) mehr als halbiert. Demgegenüber ist die Lebenszeitprävalenz des Cannabiskonsums unter jungen Erwachsenen (18 bis 25 Jahre) unwesentlich zurückgegangen – von 43,0 Prozent in 2004 auf 39,2 Prozent in 2011.

Der Bericht mit den Ergebnissen der Studie „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2011“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung steht zum Download unter http://www.bzga.de/forschung/studien-untersuchungen/studien/suchtpraevention/ und unter http://www.drogenbeauftragte.de

Ein Infoblatt mit den zentralen Studienergebnissen steht zum Download unter

http://www.bzga.de/presse/daten-und-fakten/


Die Informationsangebote der BZgA

http://www.bist-du-staerker-als-alkohol.de
(Alkoholprävention für unter 16-Jährige)
http://www.kenn-dein-limit.info
(Alkoholprävention für 16- bis 20-Jährige)
http://www.rauch-frei.info
(Tabakprävention für Jugendliche)
http://www.drugcom.de
(Informationen zu illegalen Suchtmitteln)