Mittwoch, 28. Dezember 2011

Aber wo bleibt das Positive?



Kritisieren kann jeder; bessermachen muss man können! 

Nein, so dürfen die Pädagogen nicht reden. Sie versehen ein öffentliches Amt und lassen sich dafür bezahlen. Sie werden sich die Kritik der Öffentlichkeit gefallen lassen müssen, auch wenn die's nicht besser kann. 

Aber Kritik muss konstruktiv sein und positiv! Es müssen sich praktische Konsequenzen daraus ziehen lassen - herzerwärmende Utopien bringen uns nicht weiter.

Doch was ist praktisch?

Einer sagt, praktisch ist, was mir den nächstfolgenden Handgriff anweist. Der übernächste wäre schon zu theoretisch. Auf die Zwischenschritte kommt es an; immer hübsch eins nach dem andern! 

Der Inbegriff des Praktischen wäre danach die Gebrauchsanleitung einer Waschmaschine. Praktisch sei vielmehr das, was durch Freiheit möglich ist, sagt darum ein anderer. Nämlich was aus der Frage folgt: Will ich es - und wenn nicht: was sonst? Weiß ich erst einmal, was ich will, werden sich auch die richtigen Schritte und Handgriffe finden. 

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Die digitale Revolution ist die größte kulturelle Umwälzung - nein, nicht seit der Industrialisierung, nein, nicht seit der Erfindung des Buchdrucks, sondern: - seit  der Sesshaftwerdung der Menschen und der Erfindung des Ackerbaus, seit dem Aufkommen der Arbeitsgesellschaft. Seit rund zwölftausend Jahren. Alles, was uns seit dieser Zeit vertraut, normal und selbstverständlich vorkommt, wird sich neu bewähren müssen.

Das Institut Schule, wie wir es heute kennen, mit seinem normierenden Anspruch und seiner hoheitlichen Würde, ist, na sagen wir, vielleicht dreihundert Jahre alt. Wer außer denen, die sich häuslich darin eingerichtet haben, kann erwarten, dass ausgerechnet sie die digitale Revolution unbeschadet überdauern wird?

Die Schule war eine Notwendigkeit für das Aufkommen und den Bestand der industriellen Zivilisation. Aber selbst als solche war sie keine glücklich gefundene Lösung, sondern ein Notbehelf.

Sie perfektionieren zu wollen, glich schon im industriellen Zeitalter dem Versuch, das Meer auszulöffeln. Doch im Angesicht der sich unter unsern Augen beschleunigenden digitalen Revolution wird es zu einer eigensüchtigen Bosheit. "Praktisch" und "positiv" sind da nicht die unablässigen, wissenschaftlich ausgefeilten Improvisationen in den nächsten Tag hinein, sondern große Antworten auf eine große Frage. Praktisch und positiv ist nicht das Reformgewurschtel, sondern der radikale Neuentwurf. Nicht länger flickschustern, sondern ein neue Baugrube ausheben!

 
Ach, es ist mir doch selber leid, dass ich dauernd nur zu meckern habe. Aber erstens habe ich selber wiederholt "was Praktisches" unternommen, und dass es nicht gefruchtet hat, war nicht meine Schuld.

Und zweitens sich auch die großen Ideen nicht Schall und Rauch, sobald man sie nur ernst nimmt - alltags.



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